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Geschichte der Chorvereinigung
und des ehemals selbständigen Männergesangvereins 1886


Von Klaus Schmutzler *


Die Chorvereinigung Germania-1886 entstand am 15.12.1983, und zwar wurde sie aus den bis dahin selbständigen Männergesangvereinen 1886 und Germania gebildet.

Der MGV 1886 wurde am 16.6.1886 von 16 Wildunger Bürgern gegründet. Der erste Vorsitzende des Vereins war das Gründungsmitglied Conrad Seibel (1886 bis 1890). Insgesamt standen zwölf Vorsitzende dem Verein vor. Letzter Vorsitzender bis zum Zusammenschluss zur Chorvereinigung war Peter Dingel von 1976 bis 1983. Namentlich sollte auch der Vorsitzende Konrad Siegfried genannt werden, der das Amt 25 Jahre von 1925 bis 1951 bekleidete. Konrad Siegfried hat sicherlich in dieser langen Zeit den Verein am meisten geprägt. Er hat es verstanden, ihn sicher durch die 1920er Jahre, die Zeit der Inflation und der Massenarbeitslosigkeit, zu führen. Er war es auch, der nach dem zweiten Weltkrieg den Verein wieder zum Leben erweckte und die erforderliche Erlaubnis der amerikanischen Besatzungsmacht einholte.


Gesangverein 1886 im Jahre 1890

Bis zum heutigen Tage waren zwölf Chorleiter die künstlerischen Verantwortlichen des Vereins, wobei einige Chorleiter in Zeitabständen das Amt mehrmals bekleideten. Erster Chorleiter war das Gründungsmitglied Lehrer Heinrich Rieder von 1886 bis 1890. Hans-Werner Hauschild übernahm das Dirigat am 28.10.1982. Mit insgesamt 15 Jahren war Lehrer Hans Brumlik der am längsten amtierende Chorleiter.

Gründungsmitglied Fritz Appel war der erste Kassierer des Vereins (1886 bis 1897). 25 Jahre - von 1926 bis 1951 - war Otto Wilhelm Kassierer. Otto Wilhelm übernahm danach bis zu seinem Tod im Jahre 1962 das Amt des Vorsitzenden. Letzter Kassierer des MGV 1886 war Sangesfreund Klaus Beinroth von 1968 bis 1983. Nach der Vereinsgründung wurde Philipp Oschmann der erste Schriftführer des MGV. Er hatte dieses Amt bis 1894 inne. Letzter Schriftführer von 1976 bis 15.12.1983 war Karl Heinz Segeler.

Bis zum Jahre 1892 hatte der Verein zwei Vereinslokale: Im Sommer das Hotel „Zur Königsquelle" und im Winter die Gaststätte „Schloßbräu". Von 1892 bis 1950 war der „Schloßbräu" alleiniges Vereinslokal. Da der Schloßbräu seinen Geschäftsbetrieb einstellte, wurde die Gaststätte „Bayrischer Hof" bis 1969 Vereinslokal. Seit 1970 wird in der Gaststätte „Rosenschlößchen" gesungen. Nach der Bildung der Singgemeinschaft mit dem MGV „Germania" wurde für einige Jahre im Sommer in der Gaststätte „Zum Lämmchen" gesungen.

Am 5.8.1975 gingen der MGV 1886 und der MGV „Germania" eine Singgemeinschaft ein. Zu dieser Verbindung kam es, weil der MGV „Germania" nach dem plötzlichen Tod des Chorleiters Hermann Wald mehrere Monate ohne Chorleiter war und trotz erheblicher Bemühungen kein Ersatz gefunden werden konnte. Die Verbindung wurde aber auch eingegangen, weil die Mitgliederzahlen der Aktiven zurückgingen, und zwar in beiden Vereinen. Nach Bildung der Singgemeinschaft festigten sich die Mitgliederzahlen zunächst. Aber mehrere Chorleiterwechsel in nur wenigen Jahren, teilweise durch Krankheit bedingt, und natürlicher Abgang ließen die Mitgliederzahlen weiter sinken. Alle Werbemaßnahmen, neue Mitglieder zu finden, waren ohne Erfolg. Um den Niedergang beider Vereine aufzuhalten, wurde nach langen Diskussionen beschlossen, Sängerinnen in die Vereine aufzunehmen. Man erhofft sich davon auch das Hinzukommen einiger neuer Sänger.

Mit den Frauen sollte ein gemischter Chor gebildet werden. Der Männerchor sollte jedoch weiterhin bestehen. Zur Singstunde am 17.3.1983 wurden erstmals Frauen eingeladen. Zur freudigen Überraschung aller erschienen etwa 35 Sängerinnen. Die Frauen waren zunächst nur Gastsängerinnen, da die weitere Entwicklung abgewartet werden sollte. Im Laufe eines halben Jahres kamen noch weitere Sängerinnen hinzu, so dass an die Mitgliedsaufnahme gedacht werden konnte.

Nachdem verschiedene Möglichkeiten überdacht worden waren und die Sängerinnen die Gründung eines eigenen Vereins ablehnten, entschlossen wir uns, uns zu einem Verein zusammenzu-
schließen. Damit wurde eine Entwicklung abgeschlossen, die nicht mehr aufzuhalten war, denn keiner der bis dahin selbständigen Männergesangvereine war allein noch singfähig. Inzwischen haben sich die Hoffnungen teilweise erfüllt, denn es konnten einige junge Sänger als Mitglieder begrüßt werden. Nun kommen zu den einzelnen Singstunden durchschnittlich 35 Sängerinnen und 28 Sänger, so dass wieder hoffnungsvoller in die Zukunft gesehen werden kann.

Durch die Bildung der Chorvereinigung hat der Männerchor Verstärkung erhalten, und Bad Wildungen hat zum ersten Mal auch einen gemischten Chor. In den Statuten des MGV 1886 vom Oktober 1888 ist in § l zu lesen: „Der Zweck des Vereins ist Pflege des Gesangs und der Geselligkeit." Daran hat sich auch nach Bildung der Chorvereinigung nichts geändert. Dabei sind die Möglichkeiten, den Vereinszweck zu verfolgen, vielseitig. Wir geben eigene Chorkonzerte und wirken bei Konzerten anderer Vereine mit, wir singen in Krankenhäusern, Sanatorien und Altenheimen pp., und natürlich singen wir unseren Vereinsmitgliedern bei Geburtstagen und Jubiläen ein „Ständchen". Dabei hoffen wir, möglichst vielen Menschen mit unserem Gesang eine Freude zu bereiten.

An alten Urkunden sind lediglich noch die Satzung vom Oktober 1888 und das alte Mitglieder- und Kassenbuch vorhanden. Leider wurden aus diesem Buch in früheren Jahren Seiten entfernt bzw. zusammengeklebt, so dass sich sicher nur noch die Jahreszahl 1890 nachweisen lässt. An der Anzahl der vor dieser Jahreszahl herausgetrennten Seiten ist erkennbar, dass das Buch bereits einige Jahre zuvor angelegt wurde. Die Chorvereinigung ist Rechtsnachfolger der beiden ehemals selbständigen Männergesangvereine. Bei der Namensgebung wurde darauf Wert gelegt, dass die Namensteile der alten Vereine erhalten blieben.

* Verfasst 1986.



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